Der Evolèner Karneval
Wie für alle Karnevalfeste und maskierten Rituale in der Welt (Halloween, St Nikolaus,...), sowie die Anfänge der Religionen, liegen die Wurzeln des Evolèner Karnevals in der Entstehung des kognitiven Denkens, in den Ursprüngen des menschlichen Denkens und den Fragen um den Tod, die Krankheit, das Leben und das Überleben. Erst das Christentum hat Religion (so wollte es der Monotheismus) und maskierte Rituale getrennt - die sie heidnisch nannte.
Der Evolèner Karneval bildet keine Ausnahme in der Regel: er ist ein Ritual, das das ewige Gleichgewicht darstellt (Leben/Tod, Gut/Böse, Yang/Yang, Tag/Nacht, männlich/weiblich,...), ein Ritual, das die Risiken des Lebens veranschaulicht, in der Hoffnung sie beeinflussen zu können.
Ziel des Karnevals ist, es unter anderem, die bösen Geister wie den Tod, die Krankheit, und das Unglück, die grössten und dunkelsten Ängste des Menschen, zu vertreiben und die manchmal zerstörenden Kräfte der Natur, wie Lawinen, grosser Frost und Verlust der Ernte, zu bekämpfen.
Geschichte des Karnevals in Europa
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Urgeschichte
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Schon in der Vorgeschichte wurden die wichtigen Ereignisse im Leben des Klans vom maskierten Schamanen ritualisiert - Geburt, Tod, Jagd, Übergang ins Erwachsensein...
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Geschichte
- 4000 vor JC
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Etrusker und Sumerer
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Feste die wahrscheinlich dem Gott Fufluns (=Dionysos) und dem Gott Faunus (=Pan) gewidmet waren, während denen die Rollen umgekehrt wurden. Der schlimmste Gefangene wurde König und der König wurde eingesperrt, die Armen wurden reich, die Sklaven befahlen ihren Gebietern. Am Ende der Festlichkeiten wurde der Festkönig hingerichtet und jeder nahm wieder seinen ursprünglichen Platz ein.
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-2000 vor JC
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Griechische Antike
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An Dionysos gewidmetes Fest. In Trance und mit Tierhäuten angezogene Frauen rennen durch die Strassen und begleiten den die Zeremonie leitenden Priester.
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-700 vor JC
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Römisches Reich
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An Bacchus gewidmetes Fest. Während den Bacchanalen (römische Orgien) war alles erlaubt.
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1000 nach JC
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Mittelalter
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Heidnische Theater, geerbt von den etruskischen, griechischen und römischen Tragödien und Komödien, wurden zur Unterhaltung der Adligen und Geistlichen gespielt. Sie sind der Ursprung des Städtekarnevals (Basel, Venedig, Nice, Rio,...).
Der Strassenkarneval, eine Art Markarade die von den armen Leuten und den Bauern gespielt wurde, hat sich zu den traditionellen ländlichen Karnevals entwickelt (Urnäch in der Schweiz, Berchtesgarden in Deutschland, Salzburg und Salzkammergut in Osterreich) und zu den Bergkarnevals (Lötschentahl und Evolène in der Schweiz, Mittenwald in Deutschland).
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Diese Liste ist nicht vollständig, denn andere Völker haben uns ebenfalls einen Teil ihrer Kultur mitgegeben - Kelten, Gallier, Wikinger, Hunnen, Sarazenen, Maurer - und haben unsere Bräuche stark beeinflusst.
Symbole in Evolène
Die "complets" - Kostüme
Die "Peluches" (Kostüme aus Tierfell) und die "Empaillés" (Strohmänner) stellen die wilden Menschen und die Ahnen dar. Sie sind das Symbol der Fruchtbarkeit, der Wiedergeburt und der Kräfte der Natur.
Die "visagères" - die Masken
Die Masken der "Peluches" symbolisieren die übermenschlichen Kräfte der Tiere die sie darstellen. Der Flug des Adlers, die Nachtsicht des Wolfes, das Überwintern des Bären,...
Sie vervielfachen auch die Kräfte die in jedem schlummern und die imstande sind uns zu helfen. Die Kraft des Löwen, die List des Fuchses, die Wendigkeit und Unabhängigkeit der Katze, die Hartnäckigkeit des Dachses,...
Die Masken der "Empaillés" sind meistens Menschen, Teufel oder Monster. Sie stellen den Geist unserer Vorfahren und der Toten dar, sowie alle bösen Geister die man versucht zu besänftigen um sie milde zu stimmen. Sie symbolisieren die tiefen Ängste deren die sie tragen, aber auch deren die sie betrachten.
447 nach Christus, beim Konzil von Toledo, hat die Kirche erstmals den Teufel als heidnisch bezeichnet. Vorher war er Symbol von Kraft, Fruchtbarkeit und der ewigen Wiedergeburt der natur. Er trug ebenso viele Namen wie es Zivilisationen gab die ihn feierten: Dionysos, Pan, Odin, Amon, Serapis, Fufluns, Februa, Faunus, Bacchus, Tanathos, Orcus, Pluton, Adhes, Dis Pater, Sabazius, Soma, Ouranos, Sûrya Pavaka, Loki, Seth, Pazazu, Hrund…
Die "Maries" – Marien
Karneval steht als Spiegel der Gesellschaft, und jeder Spiegel reflektiert ein umgekehrtes Bild. Die "Maries" stellen dieses Vertauschen der Rollen dar, das es ermöglicht die Fehler und Macken der Menschen um uns herum zu zeigen.
Die Glocken und die Buchsenkostüme
Die Büchsen und die Glocken halten die bösen Geister fern von den Dörfern und deren Bewohnern. Zeit und Raum die dem Menschen zu Verfügung stehen scheinen zu schrumpfen und das Jenseits befindet sich an der Grenze des Dorfes.
Der Mensch sucht in allen Rätseln ein Echo für seine innere unendliche Tiefe und erschafft Darstellungen des Unbekannten das ihn umgibt weil er nicht verträgt sich darin zu verlieren.